Lesson 1, Topic 1
In Progress

Prüfbogen (CRF)

Der Prüfbogen (CRF) ist das Dokument, das vom Sponsor zur Verfügung gestellt wird, um die Daten der Untersuchungen der Prüfungsteilnehmenden zu übermitteln. Der Sponsor ist für die Struktur des Prüfbogens zuständig, der Prüfer für das Ausfüllen (delegierbar z.B. an Study Nurse) und die Monitore für die Sicherstellung, dass die Informationen in den Prüfbögen vollständig, präzise und mit den Originaldaten kongruent sind.

Die Datenspeicherung durch den Sponsor muss garantieren, dass die Daten gesichert sind, eine sichere Aufbewahrung gegen Fälschungsversuche existiert und eine Sicherung vor Naturkatastrophen besteht. Manchmal werden bei klinischen Prüfungen Daten erhoben, die in der Krankenhausroutine oder in der Arztpraxis nicht erhoben werden. Solche Daten können direkt in die Prüfbögen eingetragen werden, ohne dass die Originaldaten auf Originaldokumenten notiert werden. In diesen Fällen dienen die Prüfbögen auch als Originaldokumente. Bei so einem Vorgehen muss aber im Voraus im Prüfplan genau beschrieben werden, für welche Daten dies gelten kann.


Dokumentation der Daten

Bei der Dokumentation der Daten der Prüfungsteilnehmenden sind vier wichtige Aspekte zu beachten:

  1. Alle Daten müssen genau, vollständig, zeitgerecht und lesbar im Prüfbogen (CRF) durch die Prüfer oder durch die von ihnen dazu autorisierten Mitarbeiter in der Prüfstelle erfasst werden.
  2. Alle Dateneinträge in die CRFs sollten mit Daten aus Quelldokumenten (Source Data) übereinstimmen; Abweichungen von den Source Data müssen immer geklärt bzw. erklärt werden.
  3. Bei Papier-CRFs: Der erste Originaleintrag in die CRFs darf durch Änderungen nicht unlesbar gemacht, sondern muss durchgestrichen werden. Änderungen müssen immer mit Datum versehen, unterschrieben und erklärt werden, so dass sie in der Historie nachvollziehbar sind („Audit Trail”). Dies gilt sowohl für schriftliche als auch für elektronisch vorgenommene Änderungen oder Korrekturen. 
  4. Bei elektronischen CRFs (eCRFs): Hier erfolgt die Dokumentation der Änderung oder Korrektur automatisch durch das Computerprogramm. (ICH GCP, 4. INVESTIGATOR, 4.9.1-4.9.3)

Die folgende Grafik veranschaulicht den Dokumentationsprozess von der Untersuchung der Prüfungsteilnehmenden bis zur Auswertung und Archivierung der Prüfungsdaten. Der Prüfbogen hat in dem Prozess eine zentrale Rolle:

Erläuterung der Grafik

  • Schon vor dem Abschluss der Untersuchung des letzten Prüfungsteilnehmenden erfolgt die Eintragung der für die klinische Prüfung relevanten Daten in die CRFs, die Erfassung aller Daten in der Studiendatenbank und die Kontrolle dieser Daten (auf Vollständigkeit, Richtigkeit, Nachvollziehbarkeit und Plausibilität).
  • Fehler oder Abweichungen werden nachvollziehbar in den CRFs und der Datenbank korrigiert („Query-Prozess”, „Audit Trail”).
  • Wenn alle Daten vollständig vorhanden und keine weiteren Korrekturen mehr nötig sind, wird die Datenbank „geschlossen” oder „eingefroren” („Database Lock” oder „Freeze”). Ab da sind in der Regel keine weiteren Änderungen mehr an den Daten in der Datenbank möglich.
  • Erst dann erfolgt eine erste Zuordnung der Prüfungsteilnehmenden zu den verschieden Therapiearmen, eine erste statistische Auswertung.
  • Danach erfolgt die „Entblindung”, also die genaue Zuordnung, welche:r Prüfungsteilnehmende welchem Therapiearm zufallsweise durch die Randomisierung zugeordnet wurde – dem „Verumarm” (also dem zu untersuchenden „neuen” Medikament), dem Vergleichsarm (der Standardbehandlung) oder auch dem Placebo.
  • Schließlich erfolgt die finale statische Auswertung, der statistische Bericht und der Abschlussbericht.